Liquordiagnostik

Reiberdiagramm, schematisch, skizziert durch einen anonymen Kollegen, lizenziert als Public Domain (CC0)
  1. Referenzbereich
  2. Isolierte Schrankenstörung: Akute Meningitiden in der ersten Woche, Tumore, Hirntraumata und -infarkte, Polyneuropathien, degenerative Erkrankungen
  3. Schrankenstörung mit intrathekaler Synthese: Akute Infektionen des ZNS (Bakterielle Meningitis, virale Enzephalitis, Neuroborreliose oder Neurosyphilis, Pilz- oder Tuberkulose-Infektionen im ZNS)
  4. Isolierte intrathekale Synthese: Multiple Sklerose
  5. unplausibles Resultat
Schrankenstörungen:

Leichte Schrankenstörungen: Alkoholische Polyneuropathie, chronische HIV-Enzephalitis, (Multiple Sklerose)
Mittlere Schrankenstörungen: virale Meningitis, Hirninfarkt
Schwere Schrankenstörungen: Guillain-Barré-Syndrom, HSV-Enzephalitis, Eitrige Meningitis


Intrathekale Immunglobulinsynthese:

Multiple Sklerose (MS): Charakteristische IgG-Synthese.

Neuroborreliose: Klassische IgM-Prädominanz (IgM > IgG > IgA).

Neurotuberkulose: Klassische IgA-Prädominanz (IgA > IgG > IgM).

Neurolues (Syphilis): Betonte IgG-Synthese.

Eitrige Meningitis: meist gemischt (IgG + IgA), im Frühstadium kein Nachweis

Virale Enzephalitis: Oft IgG-betont.

Mumps-Meningoenzephalitis: Gemischte Synthese (IgG, IgA, IgM).

Tumore (z. B. ZNS-Lymphome): Häufig IgM-Synthese.

Opportunistische Infektionen: Oft gemischte Synthese (IgG, IgA, IgM).

Oligoklonale Banden, schematisch, skizziert durch einen anonymen Kollegen, lizenziert als Public Domain (CC0)

Sensitiver für den Nachweis einer intrathekalen Synthese als das Reiberdiagramm.

Typ 1: Keine intrathekale IgG Synthese

Typ 2: Intrathekale IgG Synthese

Typ 3: Intrathekale IgG Synthese

Typ 4: Aktuelle systemische Inflammation. Keine intrathekale IgG Synthese.

Typ 5: Monoklonale Gammopathie (MGUS, Multiples Myelom)

Hohe Wahrscheinlichkeit für den Nachweis oligoklonaler Banden: Multiple Sklerose (v.a. bei vorbestehenden Episoden), infektiöse Enzephalitiden, Autoimmunenzephalitiden

  • Alzheimer Demenz: Die Kombination im Liquor: erhöhtes Phospho-Tau und Tau-Protein mit verringerter ß-Amyloid-42/40-Ratio spricht für eine Alzheimer Demenz
  • Multiple Sklerose:
    • Neurofilament-Leichtkette im Liquor oder Serum als Marker der Krankheitsaktivität bei schubförmig verlaufender Multipler Sklerose
    • Kappa-Freie-Leichtketten-Index: Alternative zur Bestimmung der oligoklonalen Banden bei Erstdiagnose (Berechnung aus Kappa-Freie-Leichtketten in Serum und Liquor sowie Albumin in Serum und Liquor)